Photo: Hopf
TV/DJK Hammelburg - L.E. Volleys 3:2 (25:20, 22:25, 13:25,
25:20, 18:16).
Wieder ein Heimsieg über Leipzig im Tiebreak, die
Geschichte hat sich wiederholt. Eine Geschichte mit bleibenden
Eindrücken. Mit Facetten der Fassungslosigkeit. Weil die
Hammelburger über ihren ersten Saisonsieg genauso staunen
durften wie die Sachsen, die im finalen Satz doch so gut wie durch
waren, mit 7:2 schon geführt und später drei
Matchbälle hatten, um das Spiel der Nerven und Emotionen doch
zu verlieren. Ein Aufschlag im Aus, ein Wahnsinns-Block von Henning
Schulte und der gesetzte Matchball von Oscar Benner waren
Hammelburgs entscheidende Punkte ins Glück.
Fassungslos...
"Oh wie ist das schön" intonierte das Publikum - nicht minder fassungslos. "Extrem geil", fand das Lorenz Karlitzek, der aufgrund seiner Schulterprobleme erst im dritten Satz ins Spiel gebracht wurde, dann aber entscheidende Akzente setzte. "Wenn ich spiele, dann Vollgas. Und an den Sieg haben wir immer geglaubt. Die Stimmung war ganz anders als bei der Tiebreak-Niederlage gegen Schwaig. Wir waren alle on fire", sagte der 17-Jährige. "Ihn haben wir nicht in den Griff bekommen, daher habe ich ihn auch zum MVP gewählt", sagte später Leipzigs Trainer Thomas Bauch, dessen Freude über den ersten Zähler überhaupt verständlicherweise nicht besonders ausgeprägt war. "In diesem Hexenkessel hier haben wir phasenweise richtig gut gespielt. Im Tiebreak haben wir vielleicht Angst vor der eigenen Courage bekommen, aber eine Erklärung fällt mir schwer. Die längere Pause beim Seitenwechsel durch die Probleme im Schiedsgericht hat uns jedenfalls auch nicht gut getan", sagte der Übungsleiter der L.E. Volleys.
Ein intensiver Beginn
Das Hochamt im Volleyball-Tempel begann wie immer stimmungsvoll.
Vom ersten Punkt an entwickelte sich ein intensives Match mit einer
ersten größeren Führung beim 14:10. Ein Vorsprung,
der Sicherheit brachte ins Spiel der Hammelburger Jungs, die hart
arbeiteten, aber auch der Kunst frönten wie beim Trickball von
Bruno Simunic zum 21:14, gleichbedeutend mit dem Satzgewinn gegen
die Messestädter, die mit Sebastian Hähner und Jannik
Kühlborn auf zwei Qualitäts-Außenangreifer
verzichten mussten.
Satz zwei sah die Sachsen vorn, die um Nuancen stabiler
spielten, sich aber nicht absetzen konnten. Weil ein Oscar Benner
starke Aktionen hatte. Weil ein Bruno Simunic ein Ass einstreute.
Und weil die Leipziger Nerven zeigten - 10:10. Doch die Gäste
fingen sich, führten bei der zweiten technischen Auszeit mit
16:13, profitierten danach von einigen Hammelburger Fehlgriffen.
Beim 18:21 setzte TV/DJK-Coach Tado Karlovic die Auszeit, beim
18:22 gleich die nächste und brachte Comebacker Olli
Möller, was den Satzverlust nicht verhinderte.
Ein paar Aussetzer zu viel
Das Auf und Ab fand seine Fortsetzung. Sicher spannend für
das Publikum, sicher nervig für die Trainer, die für ein
anspruchsvolles Spiel ein paar Aussetzer zu viel sahen in diesem
Duell zweier bis dato siegloser Teams. Auf 11:6 zogen die
Gäste davon, die gar nicht überragend spielen mussten, um
auf Kurs zu bleiben. Gerade beim Aufschlag und in der Blockarbeit
waren die Leipziger eine Klasse besser.
Das Momentum blieb im vierten Satz zunächst auf der
falschen Netzseite, wo die Sachsenbrust immer breiter zu werden
schien, während die Schiedsrichter-Schelte von Tado Karlovic
einen Punktabzug zur Folge hatte - aber auch Emotionen, die es
jetzt brauchte. Und die von allen Seiten kam. Das 10:9 durch den
Keil von Bendikowski wirkte wie ein Jungbrunnen. Jetzt passte die
Mischung aus Präzision und Kraft. Und mit dem 20:14 durch den
Bendikowski-Monsterbock stimmte der Trend endgültig. "Meine
Jungs haben in manchen Phasen zu viel gewollt und sich damit ein
Bein gestellt. Macht man Fehler, wird man vorsichtiger, und das
stärkt den Gegner", analysierte Tado Karlovic, der ungeachtet
der vielen Schwankungen das Glas halbvoll sah, mindestens.
"Leipzigs Zuspieler Predrag Bicanin hat einfach
außergewöhnlich gut die Bälle verteilt. Wir haben
sicher nicht schlecht gespielt, hatten im richtigen Moment auch
Wachrüttler wie beim Block von Friedrich Fell." Ein
Rätsel blieb an diesem Abend allerdings ungelöst. Hatte
sich Hammelburgs Trainer im vierten Satz tatsächlich über
Entscheidungen des Unparteiischen-Duo echauffiert? Oder steckte
Kalkül dahinter, um Mannschaft und Publikum zu kitzeln, an der
Ehre zu packen. Geholfen hatte es in jedem Fall.