Volleyball Bundesliga

Der ruhende Pol auf dem Feld

Der ruhende Pol auf dem Feld
Eva Hodanová im Angriff
Photo: Dirk Michen

Sie nahm sicher an, zeigte mutige Aktionen im Angriff und strahlte am Ende übers ganze Gesicht. Der Sieg am 22. Oktober gegen den USC Münster war für Eva Hodanová ein ganz besonderer. Denn genau ein Jahr zuvor hatte sie sich im Saisonauftaktspiel der DSC Volleyball Damen gegen den VfB Suhl das Kreuzband im linken Knie gerissen.

Über ein Jahr später ist die schüchterne Tschechin aus der Stammformation nicht mehr wegzudenken und auch am Mittwoch im Pokalkracher im Halbfinale gegen den SSC Palmberg Schwerin (18:00 Uhr, live auf SPORT1, präsentiert von der AOK Plus) eine ganz wichtige Stütze. „Sie spielt, als ob sie niemals weg und schon immer bei uns gewesen wäre. Sie ist noch stärker nach ihrer Verletzung wiedergekommen. Eva ist bei uns nicht für Spektakel zuständig. Aber sie bringt die Annahme gut nach vorn und ist damit ein enorm wichtiger Baustein in unserem Spiel“, lobt Trainer Alexander Waibl.

Eva selbst wird nicht gern an ihre Verletzung erinnert. Für die Außenangreiferin waren es extrem harte Monate, in denen sie sich an einige Dinge erst gewöhnen musste. „Ich war niemals schwer verletzt, hatte nichts mit den Bändern, oder dem Knie. Ich war es nicht gewohnt, völlig alleine zu trainieren und auf einmal sehr viel Zeit zu haben. Das war eine sehr, sehr schwierige Zeit“, sagt sie zurückblickend.

Nach der Operation bei Dr. Felix Bonnaire im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt schuftete Eva hinter verschlossenen Türen an ihrem Comeback. Bis zu sechs Stunden alleine in der Physiotherapie brachte die 24-Jährige tagtäglich zu. „Ich bin allen in der medizinischen Abteilung so dankbar. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so ein gutes Vertrauen in mein Knie haben könnte“, berichtet die tschechische Nationalspielerin.

Dass sie monatelang nur am Rand sitzen und zuschauen, nichts fürs Team tun konnte, das tat der passionierten Leistungssportlerin richtig weh. „Ich konnte nicht so viel Zeit mit der Mannschaft verbringen. Das war mental nicht leicht. Umso dankbarer bin ich für die Momente, die ich seit dem Sommer mit den Mädels teilen kann“, sagt sie.

Eva ist wie Piia Korhonen eher der ruhende Pol des Teams. Emotionale Ausbrüche, nach unten wie oben, sind bei ihr eher selten zu sehen. Dafür ist sie die Zuverlässigkeit in Person, hat gemeinsam mit Katharina Schwabe und Libera Myrthe Schoot die Annahme im Dresdner Spiel wieder stabilisiert. Dabei waren der Sommer und der Saisonauftakt alles andere als leicht, weil Dominika Strumilo aufgrund von Rückenbeschwerden wochenlang nicht trainieren konnte und Marrit Jasper sich kurz vor dem ersten Spiel in Potsdam einen Bänderriss zuzog. So lag die Belastung im Außenangriff alleine auf ihr und Schwabe.

Hodanova ist eine stille, extrem ehrgeizige Kämpferin, die sich am Mittwoch mit ihrem DSC den Traum vom Pokalfinale in Mannheim erfüllen will. „Wir haben eine gute Chance, zu gewinnen. Wir können aus den Fehlern aus dem ersten Spiel gegen Schwerin lernen und wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, sie zu schlagen. Dass wir ein Heimspiel und somit unsere eigenen Fans im Rücken haben, könnte ein leichter Vorteil sein“, sagt die Tschechin.

Es wäre nach ihrer schweren Verletzung nicht die erste Hürde, die Eva erfolgreich überspringt.

published on Tuesday, December 19, 2017 at 3:56 PM; created by Dresdner SC 1898 e.V.